Juneau
Freitag, 15.11.2013 – Abschied, die Erste

Ich kann wahrscheinlich noch so viele To-Do-Listen schreiben, wie ich will, aber mein Kopf wird nicht leerer... heute habe ich zum Beispiel herausgefunden, wo die Check-In-Schalter von American Airlines am Flughafen in Mexiko-Stadt sind, dass alles reibungslos ablaufen kann nächsten Donnerstag. Außerdem habe ich mich jetzt festgelegt: morgen, am Samstag geht es um 23:10 Uhr los nach DF, vom Einkaufszentrum Plaza del Sol aus. Deshalb musste ich heute noch zum Soriana in Avenida Americas laufen, gleich neben meiner Ex-Bushaltestelle, denn dort gibt es einen Ticketschalter von Primera Plus. Beim Weg zurück habe ich mich noch einmal ganz genau umgesehen, und dort habe ich mich für mich selbst ganz heimlich, still und leise von der Colonia Providencia verabschiedet. Der große Koffer ist schon hübsch voll, meine Leoparden-Tasche für das Handgepäck wird auch schon eng... mal schauen, wie ich das morgen alles zu bekomme. Weniger aufregend: Ich habe meinen Computer ausgemistet, insbesondere meine angesammelten Lesezeichen aus fast zwei Jahren, in denen ich jetzt meinen kleinen Laptop habe. Außerdem habe ich Julia nach einem Fitnessstudio gefragt, wahrscheinlich werde ich mich dann bald im Body Fit in Passau abquälen, um wieder „fit“ zu sein. Jetzt haben mich diese beschissenen gesellschaftlichen Konventionen von wegen „Sport als das Geilste auf der Welt“ auch schon im Griff. Ich Opfer.


Irgendwie begriff ich erst den Ernst der Lage, dass ich hier wirklich von hier bald verschwinde, erst abends, als ich mich auch von Diego und Sandra verabschieden musste. Beide fahren morgen nach Leon, dort findet ein Heißluftballonfestival statt. Sie fahren heute Nacht um drei Uhr los. Gott sei Dank weiß Sandra, wie schlimm mir Abschiede fallen, deswegen hielten wir es kurz. Ich kam mir richtig blöd vor. Ich hätte wahrscheinlich eine Stunde lang aufzählen können, wie sehr ich ihnen für alles dankbar bin. Aber ich brachte nur ein heiseres „Gracias por todo!“, Danke für alles, heraus. Ich wurde wieder eingeladen, mit einem typisch mexikanischem „Mi casa es tu casa“, und „Ich hoffe, du hast hier deine zweite Heimat gefunden“ von Diego. Danach gingen beide ins Bett und ich in mein Zimmer rauf und heulte erst mal eine halbe Stunde, weil sie mir jetzt schon unglaublich fehlen. Nun, wo ich gerade in die Tasten haue, weine ich schon wieder; ich kann irgendwie noch nicht fassen, dass ich die beiden jetzt womöglich ein Jahr nicht mehr sehen werde.


Auch, dass ich morgen Guadalajara endgültig verlassen werde, tut mir irgendwo weh. Ich liebe diese Stadt: groß, laut, dreckig, pulsierend, wie ein großer Schlund, der uns alle irgendwann einmal auffrisst, aber für uns sorgend, und auch meine zweite Heimat. Die Leute, die schönen Alleen, die Geschichte der Stadt und des Bundesstaates Jalisco. Die herzlichen Essens- und Zeitungsverkäufer, Ab und zu wie ein zu groß geratenes Dorf, wo jeder jeden kennt. Wo Moderne und Tradition so eng ineinander verflochten sind, dass man sich gar nicht mehr genau auskennt. Aber vor allem meine neuen Freunde, meine Gast-WG, Sandra, Diego, Saskia, Joaquin und Salim, die mexikanischen Teilnehmer von VIA, und nicht zu vergessen meine Studenten. Vor knapp drei Monaten wurde ich aus der einen Welt herausgerissen und in eine andere, neue, fremdartige Welt, hineingeworfen, an die ich mich gewohnt habe, die ich oft verflucht, aber auch zu lieben gelernt habe. Jetzt muss ich wieder Adieu sagen, aber dieses Mal auf unbestimmte Zeit. Das tut weh.




Song of the Day: The Doors – People are Strange

16.11.13 06:06


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Donnerstag, 14.11.2013 – Gewichtsproblem mal 2

Meine Überschrift deutet schon an, mit welchen Dingen ich mich heute rumschlagen musste: Zum einen habe ich festgestellt, wirklich viel zugenommen zu haben, zum anderen weiß ich nicht, wie ich meinen ganzen Scheiß wieder heil nach Deutschland bringen kann. Ich habe einfach zu viel. Ich will da keine Gebühr bei American Airlines zahlen.


Naja, sonst ging heute nicht viel. Ich habe zwei Stunden mit Mama und Papa geskypt. Ich war auf der Post und habe ein 1,5 Kilo schweres Päckchen für 200 Pesos (12 Euro) nach Deutschland geschickt, und ich freue mich, dass ich mir zumindest um diese 1,5 Kilo keine Sorgen mehr machen muss. Ich habe ein neues Kofferschloss gekauft für das Handgepäck und etwas zum Trinken und zum Essen. Ich habe eine fette To-Do-Liste für die Zeit vom 22. November bis zum 26. Dezember geschrieben. Außerdem habe ich alle Blogeinträge in ein Word-Dokument zusammenkopiert, welches jetzt aktuell 75 Seiten lang ist; ich will das ja vielleicht als Buch veröffentlichen. Wir waren abends noch Tacos essen. Ich hatte so Hunger, aber ich wollte nicht noch mehr Geld ausgeben. Ich habe geplant, wie ich von hier nach D.F. (Distrito Federal = Hauptstadtsdistrikt = Mexiko-Stadt) komme, und wahrscheinlich nehme ich einen Bus vom Plaza del Sol-Einkaufszentrum zum Hotel Fortan in D.F. Dumm nur, dass ich dort dann um halb 6 Uhr morgens ankomme, und die Metro zum Hostel erst ab 7 Uhr fährt. Ich bin mir aber sicher, die haben eine Lobby, wo man sich vielleicht für eineinhalb Stündchen reinsitzen darf. Ich könnte natürlich einen vorteilhafteren Bus nehmen, aber dann müsste ich Joaquin zumuten, dass er mich mitten in der Nacht 40 Kilometer zum Terminal Nueva nach Tonala fährt, und das will ich nicht. Plaza del Sol ist nun mal das Nächste. Auf meiner Facebook-Seite findet ihr neue Fotos von meinem Aufenthalt in Merida. Ich habe mir noch ein paar Reportagen von Dawn Porter angeschaut, und ich muss sagen, ich liebe diese Frau! Wenn ich wirklich das Glück habe, Journalistin zu werden, will ich so sein wie sie! Mein Kopf ist für alles viel zu voll, ich fühle mich ein bisschen kraftlos. Die letzten acht Tage werde ich aber jetzt auch noch überstehen.


Außerdem habe ich mir eine App für das Kalorienzählen runtergeladen. Ich muss jetzt echt abnehmen. Wer Vorschläge hat, welche Sportarten ich betreiben könnte, die für Krüppel wie mich gedacht sind, wo man also nicht laufen muss, soll mir diese bitte mitteilen. Ich muss was tun!!!



Song of the Day: Sportfreunde Stiller – Ein Kompliment

15.11.13 07:36


Mittwoch, 13.11.2013 – MID/GDL oder: Generalprobe Heimkommen

Nach weniger als vier Stunden Schlaf, stellte ich mir gleich erst mal die Frage, wie ich diesen Tag überstehen soll. Ich brauchte etwa 10 Minuten, um noch alles zu packen, verabschiedete mich von Denise und ging los. Nichts funktionierte. Das Taxi, das ich bestellt hatte, kam nicht, also musste ich wieder einmal improvisieren, musste mir ein normales Taxi nehmen und bezahlte 180 Pesos bis zum Flughafen. Einchecken etc. war langweilig wie immer, und pünktlich um 10:20 Uhr startete das Flugzeug. Der Flug war furchtbar, denn mir wurde von den Turbulenzen ernsthaft schlecht. Aber das ist VivaAerobus, die mexikanische RyanAir, da müsste du für deine Kotztüte noch extra bezahlen. In Guadalajara nahm ich mir wieder ein Taxi, für 310 Pesos und um kurz vor 14 Uhr war ich dann endlich wieder 'daheim'. Voll herzlicher Empfang und ich habe mich sehr gefreut, wieder alle zu sehen. Und ich habe mich noch nie so gefreut, Wäsche zu waschen! Sowas tolles! Leider trocknet das momentan nicht, wegen der Kaltwetterfront. Das Schönste war heute das Skypen mit Thomas. Nachdem ich viel so kleines, unwichtiges Zeugs erledigt habe, habe ich mal „Probe gepackt“, und festgestellt: Da muss ich wohl nochmal ein Päckchen schicken. Das hat aber noch Zeit, zumindest bis morgen. Abends sah ich mir diverse Dokus von Dawn Porter an, die finde ich richtig gut. Sandra hat mir noch Geld geliehen, super gut. Und jetzt: Ab ins Bett!


Song of the Day: Iggy Pop – Passenger

14.11.13 06:09


Dienstag, 12.11.2013 – Kopf- und Magenschmerzen

Ausschlafen tat so gut, aber ich wachte mit Migräne auf. Die begleitete mich dann den ganzen Tag. Bis dreiviertel eins machten wir nichts, dann wollten wir shoppen gehen, und ich hatte so Bock, aber die zwei Aspirin bewirkten nichts, außer dass sie meinen Magen angriffen, dass mir schlecht wurde. Ich glaubte echt, kotzen zu müssen. Das hielt mich – dumm und unvernünftig wie ich noch bin – nicht davon ab, trotzdem bis ins Einkaufszentrum zu latschen. Dort ging es mir derartig schlecht, dass mir die Laune daran vergangen ist, und wir gingen zurück, aber davor kaufte Denise noch für 2000 Pesos Schuhe, haha. Ich war Beratung und ich bin in sowas ja ganz schlecht. Wieder bei Denise plante ich nur noch meine letzten Tage in meinem geliebten Guadalajara, schrieb diverse To-Do-Listen, um das Gedankenchaos zu ordnen, und telefonierte mit verschiedenen Taxi-Gesellschaften, wegen der Fahrt zum Flughafen morgen. Abends gingen wir mit Gabo (das ist der „amigovio“ von Denise, also irgendwas zwischen Freund und festem Freund, neudeutsch auch: friend with benefits), Kathi (Denise' Mitbewohnerin), Kris und Nacho (Austauschstudenten aus Madrid) noch zum Italiener, und Fettucini al funghi war eins der besten Gerichte, die ich hier in Mexiko gegessen habe. Da die beiden aus Madrid kommen, habe ich es mir gleich mit ihnen ausgemacht, wenn wir da im Dezember hinfahren. Dann bekam ich noch eine SMS von Sandra, dass ihnen was dazwischen gekommen ist und sie mich morgen nicht vom Flughafen in Guadalajara abholen können. Morgen werde ich also 500 Pesos (30 Euro) für Taxis hinlegen müssen. So ärgerlich. Das hat mir echt den Abend vermiest. Ich weiß nicht, warum sie mich nicht holen können, aber anscheinend haben sie einen triftigen Grund. Morgen wissen mir mehr. Mir graut davor: Um halb 7 aufstehen, um halb 8 das Taxi nehmen, um 12:50 Uhr in Guadalajara landen, und dann nochmal eine Stunde Taxi... würg. Heute, am Dienstag, blieben mir noch 10 Tage in Mexiko, bzw. 10 Tage bis zur Landung am Fraport. Ab morgen wird’s einstellig, yeah!


Song of the Day: The Subways – Rock n Roll Queen

13.11.13 08:09


Montag, 11.11.2013 – Merida, Teil 2

Ich schlief auf der Couch, und ich fand es so geil, alleine im Wohnzimmer zu schlafen, kein Hostellärm und nichts. Perfekt. Frisch geduscht (Warm! Das erste Mal seit 10 Tagen) machte ich mich mit Denise und Kathi zur Bushaltestelle. Die beiden fuhren zu ihrer Uni, ich ins Zentrum. Voll gut, gleich alles verstanden und richtig ausgestiegen. Meine Besichtigungstour begann im Supermarkt mit einem extragroßen schwarzen Kaffee. Langsam frage ich mich, ob ich koffeinabhängig bin. Ohne Kaffee wäre mein Leben echt trister... egal. Ich habe mir das Zentrum (dazu später mehr) angeschaut, beim BurgerKing für 2,50€ ein richtig fettes Menu gegessen. Das war so das billigste was ich finden konnte. Nach noch mehr Anschauen und Bummeln wurden meine Kopfschmerzen schlimmer und ich musste wieder alleine irgendwie heimfinden, keine Ahnung. Denise meinte, ich soll einen Bus nehmen mit der Aufschrift: „Gran Plaza/Liverpool“. Machte ich natürlich. Der fuhr dann aber eine ganz andere Strecke zurück, und mir wurde schon richtig mulmig in der Magengegend. Ich fragte nach: Fahren Sie gar nicht den Paseo Montejo? Er so: Nö, heute nicht. Dann war ich echt sauer, Bus voll und laut und stickig, ich keine Ahnung von der Stadt.Ich überlegte dann, ob ich aussteigen soll, in einem Viertel, das nicht gut aussah, oder noch weiter fahren soll. Das Viertel fand ich echt nicht prickelnd, ich blieb beim Busfahren. Der Busfahrer schnauzte mich dann voll an, ob ich ewig sitzen bleiben will. Ich giftete zurück, dass mir das gerade gar nicht passt, und er schließlich: Que te vayas! Heißt soviel wie: Verpiss dich. Ich habe dann nur auf Deutsch mit „Arschloch“ geantwortet, und so stand ich mitten auf irgendeiner Straße, ohne deutsches Handy mit Internet, wo man hätte nachkucken können, weit und breit kein Taxi in Sicht, abgesehen davon auch nicht mehr viel Geld in der Tasche. Erst sah ich ganz schön alt aus. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie kamen dann Pfadfinder-Instinkte zum Vorschein: Wir sind nach Nordwesten gefahren, ungefähr die gleiche Strecke, ich muss (vom Zentrum aus gesehen) nach Norden. Also lief ich Richtung Osten, orientierte mich an Hochhäusern. Keine einzige Menschenseele auf der Straße; das fand ich richtig gruselig! Irgendwann sah ich dann das Banamex-Hochhaus und McDonalds und BurgerKing direkt nebeneinander, und ich fühlte mich wie Bear Grylls, Chuck Norris und McGyver in einer Person. Zurück in dem übrigens sehr schicken Apartment brauchte ich nach meiner Odyssee erst mal zwei Aspirin. Es gibt nur wenig Dinge, die ich mehr hasse als Busfahren! Außerdem habe ich mir noch mein Flugticket ausgedruckt, mein letztes Geld beim Oxxo für Bier, Kippen und Chips ausgegeben, mir Taxiverbindungen zum Flughafen rausgesucht und eigentlich wollte ich noch ins Maya-Museum, das macht aber um 5 Uhr zu, und es war kurz nach halb. Den Abend verbrachten wir mit Ratschen, und ich liebe es, Niederbayrisch zu reden. Die beste Sprache der Welt! Wir ratschten bis ein Uhr morgens, jetzt bin ich wieder fertig, und das Bloggen fiel mir heute schwer und kostete mich viel Überwindung.

Gut, jetzt was über Merida: Das ist eine schöne Kolonialstadt und die Hauptstadt vom Bundesstaat Yucatan. Das Zentrum gefiel mir richtig gut, total entspannt. Allerdings wäre mir Merida ein bisschen zu klein – und das, obwohl Merida eine Million Einwohner hat. Ich habe mich anscheinend schon genügend an Guadalajara gewohnt. Nach viereinhalb Stunden, allerdings mit Fress-Pause, Bummeln und Santeln habe ich wirklich alles gesehen, was es hier so zu sehen gibt.

Morgen werden wir zur Gran Plaza tingeln, einen Mädels-Tag machen, gemütlich schlendern, aber vor allem erst einmal: Ausschlafen!



Song of the Day: KT Tunstall – Black Horse and a Cherry Tree

12.11.13 08:38


Sonntag, 10.11.2013 – Merida

Lange Busfahrten haben nur einen Vorteil, wenn man nicht schlafen kann: Man kann viel nachdenken. Ich bin dahintergekommen, dass ich sehr wohl meinen Kreditrahmen ausgeschöpft habe, denn ich habe die Flüge für Madrid gebucht. Ich Depp. Jetzt wird mir so einiges klar.

Ok, heute wieder mal Koffer gepackt, noch einen Plausch mit Greg gehalten, der übrigens richtig tolles BBC-Englisch redet (Neid!), und dann um 10 Uhr ausgecheckt. Ich habe mich selten so über die 100 Pesos gefreut, die ich für den Schlüssel als Pfand ausgelegt habe. Mit Wehmut im Herzen, dieses Paradies verlassen zu müssen, lief ich zum Hafen. Dann der Marathon Hafen – Boot – Hafen – Taxi – Busbahnhof Cancun – Bus – Busbahnhof Merida. Im Bus liefen dieses Mal sogar zwei gute Filme, Tower Heist mit Eddie Murphy und Hotel Transylvania, so eine Animation wie Findet Nemo. Mir fiel dabei auf: Ich kann jetzt fernsehen auf Spanisch. Das war die ganze Zeit eigentlich noch eine Hürde für mich, jetzt klappt es. Vier Stunden Bus, und dann kam ich endlich in Merida an, über das gerade ein Tropensturm hinweg saust. Es regnet nach wie vor wie aus Kübeln. Denise konnte mich nicht abholen, da sie und ihre Kumpels übers Wochenende beim Zelten, die waren noch besoffen. Aber kein Stress, ich kann ja auch ein Taxi nehmen, 50 Pesos. Das Verrückteste an Merida: Die Straßen haben keinen Namen, sondern sind durchnummeriert! Der Busbahnhof war z.B. in Calle 70, Colonia Centro. Das heißt auch: Jede Colonia ist durchnummeriert, im Umkehrschluss wiederum: Es gibt in dieser Stadt, die ungefähr eine Million Einwohner hat, mehrere Calle 70. Die Nord-Süd-Straßen sind gerade, die Ost-West-Straßen ungerade. Die geraden Zahlen, die durch vier teilbar sind, verlaufen von Süden nach Norden, die anderen geraden Zahlen von Norden nach Süden. Die Straßen mit den ungeraden habe ich noch nicht so verstanden. Voll verrückt. Der Taxifahrer hat sich mehrfach verfahren, aber ich war ihm nicht böse, ich würde hier ausflippen. Bei Denise haben wir nicht mehr viel gemacht, außer unsere gefühlten tausend Mückenstiche mit Fenistil versorgt und geratscht. Richtig entspannend, einmal nicht diesen Anschau-Zwang zu haben. Das hat morgen Zeit, während Denise in der Uni ist. Gleich hier um die Ecke ist das Maya-Museum, und von dort aus kann ich auch alleine ins Zentrum fahren. Auf jeden Fall werde ich es langsam angehen lassen, keinen Bock mehr. Ich habe mich sattgesehen, mein Hirn ist eigentlich nicht mehr aufnahmefähig.


Song of the Day: Iron Butterfly – In a gadda da vida

11.11.13 06:37


Samstag, 09.11.2013 – Meine erste und letzte Yoga-Stunde

Ich kann es nicht fassen, heute morgen habe ich mich in einem Moment der geistigen Verwirrung zur (kostenlosen) Yoga-Stunde am Strand angemeldet. Also mit einer wahnsinnigen Kulisse, weißem Strand, Palmen, türkisfarbenem Wasser … Erst war ich voller Zuversicht. Greg, unser Lehrer, ist Brite, und hatte schon so eine richtige Yoga-Entspann-Stimme. Nun gut, nach ein paar Übungen dachte ich mir dann, wird das auch mal besser? Ende vom Lied: Ich hielt 45 Minuten aus, dann hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Ich bin mir sicher, dass Greg ein guter Lehrer ist, aber das ist einfach nichts für mich. Yoga ist mit Abstand das dümmste und bescheuertste auf diesem Planeten und jetzt darf ich sogar sagen, dass das Bullshit ist, weil ich es selbst ausprobiert habe. Vielleicht bin ich auch zu beweglich dafür. Kann auch sein. Ich konnte jede Übung ohne Probleme machen, während die neben mir dann wieder eingeknickt sind. Ich verpisste mich dann einfach. So ein Scheiß. Nach dem Yoga chillte ich mich ein bisschen an den Strand und machte Fotos von der Insel, lief rum, kaufte für Thomas und mich eine Haifischzähnchen-Kette, und dann ging ich durch die Straßen der Isla Mujeres, die ganz typisch wie überall in Mexiko aus lauter Blöcken besteht. Egal in welche Richtung du dich drehst, du siehst immer das Meer. Die Luft hat eine fantastische Qualität. Durch die Straßen bummelnd, riefen mir die Verkäufer von überall nach, aber ich konnte nichts kaufen, ich musste ja erst zur Bank. Dort stellte ich fest, meine Kreditkarte ist nicht mehr da. Mir rutschte sofort das Herz in die Hose, und ich lief wie von der Tarantel gestochen zurück ins Hostel. Dort fand ich sie unter meinem Bett. Wieder einmal Glück gehabt. Dann spazierte ich zurück, stand am Automaten, und es ging mal wieder nicht... Ich bin wieder so angepisst. Da willst du das Paradies genießen, kannst dir aber nix mehr zum Essen leisten. Bis morgen Abend muss ich haushalten. Ich habe nur noch einen Schoko-Muffin. Wenigstens habe ich die Tickets und alles schon, ich muss hier also nicht bleiben. Dann saß ich also im Hostel rum und habe Postkarten geschrieben. Noch geduscht, ein bisschen gepackt.


Ein paar Wörtchen zur Isla: Sie ist acht Kilometer lang, und 300 bis 800 Meter breit. Hier gibt es eine Schildkrötenfarm, gigantische Korallenriffe, einen Leuchtturm und Maya-Ruinen an, wo hier Ixchel, die Maya-Göttin für den Mond und die Fruchtbarkeit, angebetet wurde. Ich kann mir das alles leider nicht anschauen, denn das kostet alles etwas... Fortbewegung findet statt zu Fuß, oder mit Rollern oder Golfplatz-Gefährten. Die einzigen Autos sind Taxis oder von den Bullen.


Irgendwie fühle ich mich ein bisschen ausgelaugt. Heute ist es drückend schwül, und überall an meinem Körper ist Sand, das fühlt sich richtig scheiße an. Meine Beine sind mittlerweile zu einem einzigen, großen Mosquito-Stich verschmolzen, es juckt abartigst und ich kann mir nicht mal mehr so ein Gel leisten, dass das zum Jucken aufhört. Ich bin aufgekratzt, ich sehe aus wie ein Vollidiot, und ich kann mich nicht still halten, weil das so pervers ist. Übrigens finde ich es beschissen, alleine zu reisen. Ich bin nicht nur alleine, sondern auch einsam. Alle meinten, dass ich es lieben werde. Nein, ich hasse es. Natürlich lerne ich hier jeden Tag neue Leute kennen, aber die ersetzen halt nicht deine Freunde. Ich habe Hunger wie blöd. Abgesehen davon, geht mir das „Aus dem Koffer leben“ schon gewaltigst auf den Sack. Alles einpacken, Taxi nehmen zum Busbahnhof, auf den Bus warten, dann drei Stunden oder mehr Busfahren, wo es so ekelhaft kalt ist, dann nimmst du dir wieder ein Taxi, fährst zum Hostel, dann packst du wieder alles aus, findest nichts mehr, du musst dich ans neue Bett gewöhnen. Irgendwann musst du alles wieder in deinen Koffer reinkriegen, und er wird von Ort zu Ort kleiner... Ich habe nicht mal Zeit, sauber auszuschlafen. Morgen muss ich um spätestens 11 Uhr eine Fähre ans Festland erwischen. Die Zeit, um Mexiko den Rücken zuzudrehen, ist gekommen...


Weil ich mich zu Tode langweile, habe ich mal mein Sternzeichen im Maya-Kalender gesucht. Ich bin Sternzeichen „Straße“! Die hatten wahrscheinlich auch einen Sprung in der Schüssel. Das Sternzeichen heißt hier übrigens Nahual, und kann so als „Tagesstimmung“ übersetzt werden. In der Maya-Straße heißt Straße „EE“. Ich will euch von dem ewig langen Text verschonen, aber es ist ein führendes Zeichen, ich bin tief besorgt über die Gesellschaft und zukünftigen Generationen. Ich bin hingebungsvoll, hart arbeitend, liebenswürdig, und gern auf Reisen. (Momentan nicht mehr.) Außerdem habe ich die Neigung, negative Emotionen zu verstecken und Ärger zu verdrängen (stimmt irgendwie). Zusätzlich gibt es dann noch einen Geburtston, er heißt UAC, trägt die Nummer 6 und steht für Fluss, Bewegung und Fortschritt. Außerdem: „Uac ist beherrscht von Mictlantecuhtli, dem Gott des Todes.“ Sebastian ist Affe, Thomas Eule. Ich konnte es nur von den beiden berechnen, weil ich weiß, zu welcher Uhrzeit sie geboren wurden. Genug Hokuspokus jetzt.


Neue Fotos online, übrigens! Zu finden auf meiner Facebook-Seite, Album „Mi gran viaje a Mexico querido y lindo“.


Song of the Day: The Strokes – You only live once


10.11.13 04:58


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