Juneau
Freitag, 08.11.2013 – Isla Mujeres...oder: Das Paradies auf Erden

Gestern Abend unterhielt ich mich übrigens noch sehr gut mit Australiern und Italienern, die Italiener gingen dann recht früh, und sich saß dann bis halb drei Uhr morgens mit André und seiner Freundin (Australier), deren Name mir wieder entfallen ist, draußen und unterhielt mich köstlichst. Nicht so köstlich empfand ich dann heute das Aufstehen um halb 8 Uhr, aber ich musste mein Zeug zusammen (Koffer zu klein!!!), mich zurechtmachen, auschecken, frühstücken, und dann war ich noch ein bisschen im Internet, bis ich mich um kurz nach halb eins auf den Weg zum Busbahnhof machte, denn heute fuhr ich von Tulum nach Cancun.

Der Bus war wie immer vom feinsten so runtergekühlt, dass man drin friert, und nach zweieinhalb Stunden erreichten wir endlich Cancun. Das ist ja mal die hässlichste Stadt überhaupt. Das Zentrum voll abgefuckt, und am Strand eine Hotel-Skyline. Ich kaufte mir gleich noch mein Busticket für Sonntag nach Merida, und schnappte mir für schlappe 60 Pesos ein Taxi in Richtung Puerto Juarez, von wo die Fähre ging. Die ich natürlich um zwei Minuten verpasst habe. Aber selber Schuld, ich musste natürlich nach der Busfahrt noch eine rauchen. Der Hafen war zwar hässlich, aber ich kann mich an der Farbe der Karibik nicht satt sehen. Die Zeit verging dann doch recht schnell, und ich musste mich bei dem leichten Sturm, der aufzog, auf dieses Shuttleboot begeben, und mir war vor Betreten schon kotzübel. Teilweise gab dieses Ding abartigste Geräusche von sich, und ich sah mich schon an den Strand der Isla Mujeres schwimmen, die in etwa 14 Kilometer vor Cancun liegt. Die Fahrt dauerte etwa 20 Minuten und am liebsten hätte ich beim Aussteigen drei Kreuzzeichen gemacht. Ich konnte meine Wegbeschreibung nicht finden, aber es reichte, das einmal im Google Maps anzuschauen, und ich fand ohne Probleme zum Poc Na Hostel. Ich liebe diese Insel. So bunt, alternativ, hippiemäßig, zwar touristisch, aber ich fand Tulum viel schlimmer. Nach dem Einchecken und Zimmer beziehen pflanzte ich mich – schon in der Dunkelheit, denn hier geht die Sonne um 17 Uhr unter – an den Strand, lernte dort Hendrik kennen (nicht der aus San Cristobal, aber auch Norweger), der auch noch im gleichen Zimmer pennt, und mit dem ging ich Tacos essen.


Jetzt gerade sitze ich übrigens am östlichsten Punkt des mexikanischen Staatsgebietes, mir fehlt noch ein Meter, dann wären meine Füßchen schon im Wasser. Mit mir am Tisch sitzt Bastian aus Argentinien, wir reden gerade einen Spanisch-Englisch-Mischmasch und es hört sich echt beschissen an, aber macht Spaß. Morgen werde ich Schaufenster-Shoppen gehen. Ich überlege, einen Tauchkurs zu machen, aber meine Füße sehen aus wie eine Buckelpiste aus Mückenstichen, und ich kann schon kaum mehr gehen. Und ich war schon tauchen auf den Islas Marietas in der Nähe von Puerto Vallarta.


Mädels, zwei Wochen noch, dann kann ich euch wieder auf den Senkel gehen. Bis morgen, muchachos queridos <3



Song of the Day: Nightrain – Club 27

9.11.13 05:51


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Donnerstag, 07.11.2013 – Cenote Cristalino & Chillen

Ich finde es nach wie vor erstaunlich, dass ich so früh (heute um 7 Uhr) ohne Wecker aufwachen kann, und fit bin. Vollends ausgeschlafen, ließ ich den Tag auch relativ entspannt angehen. Ich unterhielt mich noch mit Joleine und der Chinesin und habe mich dann um 10 Uhr von ihnen verabschiedet. Kurz darauf kam Lea, um mit mir die Cenotes zu besichtigen. Wir hielten dann an der Hauptstraße einen sogenannten „Colectivo“ an, das sind die Shuttlebusse, Richtung Playa del Carmen. Ich sagte gleich beim Einsteigen, dass wir zur „Cenote Cristalino“ wollen. Ach ja, Cenotes sind diese Süßwassergrotten, wo das Wasser so extrem klar ist, man jeden Fisch, Stein und einfach alles sehen kann. Alles gut soweit, wir waren so glücklich drüber, dass wir gleich einen Colectivo erwischt haben. Irgendetwas stimmte nicht, ich fragte nach, und dann sagte mir der Busfahrer, dass wir schon lange an der Cristalino vorbei gefahren sind. So typisch mal wieder! Irgendwie mag ich mich schon gar nicht mehr aufregen. Dann wollte er 20 Pesos von uns beiden, aber ich verweigerte wegen dem beschissenen Service, und das sah er dann Gott sei Dank auch ein. Wir fuhren also wieder zurück und konnten für happige 100 Pesos die Cenote besichtigen und beschwimmen. Das Wasser hatte eine interessante Farbe. Irgendwas zwischen Türkis und Smaragdgrün, es war recht kalt, aber bei der Hitze eine angenehme Abwechslung. Wir waren übrigens fast die einzigen, nur zwei andere Leute waren dort, welche natürlich Deutsche waren. Ich fand es richtig interessant, wieder durch die Höhlen zu tauchen, aber bzgl. Flora und Fauna gab es nichts super aufregendes, außer diese Fensterputzer-Fische, die ich aus Deutschland aus den Aquarien kenne. Was ich allerdings noch nie gesehen habe: Die Mangroven-Wälder! Richtig spannend! Wir blieben nicht lange, denn die Islas Marietas fand ich viel viel viel besser, die in der Flaggenbucht in der Nähe von Puerto Vallarta liegen, wo ich noch mit VIA unterwegs war. Wir fuhren wieder zurück nach Tulum, und dann fiel Lea auf, dass sie gestern beim Shoppen irgendwo ihren Hut verloren hat, wir klapperten nochmal alles ab, aber keiner hat ihren Hut gesehen. Wahrscheinlich haben die ihn schon lang an irgendeinen ahnungslosen Ami weiterverkauft. Ab 2 Uhr war ich wieder im Hostel, mit Lea habe ich es mir für Merida wieder vereinbart zum Weggehen. Die ist echt schwer in Ordnung. Im Hostel las ich noch sehr viel meiner beiden Vorlesungen, die ich jetzt schon für den Master machte. Was ich noch loswerden will: Ich habe seit über einem Monat nicht mehr Fingernägel gebissen! Bitte ein großes Lob an mich richten! Genau jetzt in zwei Wochen sitze ich außerdem schon im Flieger Richtung Frankfurt! Ich bin schon soooooo aufgeregt euch endlich alle wieder zu sehen!


Morgen fahre ich weiter nach Cancun, dann mit der Fähre auf die Isla Mujeres, die Fraueninsel. Ich bin schon richtig hibbelig. Die Fahrt dauert zweieinhalb Stunden – ich verstehe nicht, warum man für 130 Kilometer von Tulum nach Cancun zweieinhalb Stunden braucht. Wenn es wieder diese behinderten Straßensperren gibt, sogar noch länger. Wünscht mir also bitte viel, viel Glück. Außerdem zog gestern Tropensturm „Sonja“ (Hallo, Mam!) über uns hinweg, ich bekam davon nichts mit, weil ich tief und fest schlief, ganz ohne Tabletten, aber der soll Cancun mit Überschwemmungen versorgt haben. Mal sehen, oder „Vamos a ver“ wie man so schön im Spanischen sagt.


Jetzt werde ich nur noch lesen, essen, eins bis zwei Bierchen trinken und dann schlafen. Morgen sind es noch 14 Tage bis zur Landung in Schlaaaaand.



Song of the Day: Chuck Berry – Johnny B Good

8.11.13 02:36


Mittwoch, 06.11.2013 – Susanne wird wieder sportlich

Bevor ich es vergesse: Es gibt neue Fotos auf Facebook, die von Palenque und die von Tulum!

Ich bin heute ernsthaft um halb 6 Uhr morgens nach elf Stunden Schlaf, und ich fühlte mich wie neugeboren. Dann habe ich Wiener gefrühstückt (es gibt hier Wiener, Weißbier und Semmeln!!! Oh mein Gott, so gut!) und mir ein Fahrrad vom Hostel ausgeliehen. Ich bin heute ernsthaft mehr als 10 Kilometer Fahrrad gefahren! Erst immer gerade aus, dann habe ich leider die Abzweigung nach links zu den Ruinen versäumt, und bin etwa fünf Kilometer Umweg gefahren, bis ich endlich an den Ruinen ankam. Die sind wirklich wundervoll, und ich konnte nicht glauben, wirklich hier zu sein. Sie sehen aus wie die anderen Ruinen, aber sie liegen eben direkt am Strand in der Karibik. Den Strand habe ich natürlich auch besucht. Weißer Sandstrand, türkises Wasser, so unglaublich schön und friedlich! Seht selbst auf meinen Fotos! Bei 30 Grad Fahrrad fahren ist echt krass, und ich dachte schon, ich schaffe es nicht zurück bis zum Hostel. Hier kann man übrigens auch wilde Papageien, Leguane (mehr als ein Meter groß und Affen sehen! Ich bin echt erschrocken, als über mir so ein Affe zum Brüllen angefangen hat. Übrigens habe ich neue Postkarten gekauft. Zurück im Hostel lud ich erst mal die Fotos auf Facebook hoch, und traf dort Lea aus Hamburg. Ich schätzte sie auf etwa 25 Jahre, aber sie meinte dann irgendwann im Gespräch „Mein Ex-Mann ist Brasilianer“. Okay, what the hell? Sie heiratete mit 28, also muss sie schon älter als 30 sein, was man ihr wirklich null ansieht. Mit Lea fuhr ich dann in die Innenstadt und ging mit ihr shoppen, ich habe mir einen neuen Hut gekauft, denn den brauche ich wirklich gegen die Sonne, ein Kleid, und sehr schöne Schnapsgläser für unsere zukünftige Wohnung. Morgen fahre ich mit ihr zu den Cenotes, das sind die unterirdischen Höhlen mit Meerwasser, wo man runtertauchen kann. Wahrscheinlich kommt Sara auch mit, eine Finnin, die gerade auf Lateinamerika-Reise ist. Ich blieb für den Rest vom Tag auf der Terrasse im Hostel und redete mit Sara, Joleine, und einer Chinesin, deren Name ich schon wieder vergessen habe, und es war richtig lustig. Wir lachten so viel, auch wenn keine von uns in unserer Muttersprache redete und wir hin und wieder echt auf dem Schlauch standen. War aber egal, nicht so wichtig. Ich gehe schon wieder so früh ins Bett, es ist kurz vor 10 Uhr abends. Das muss sich ändern, sonst wird der Jetlag beim Heimkommen ganz, ganz böse. Hab euch lieb. Ich freu mich auf euch! <3


Song of the Day: Steppenwolf – Magic Carpet Ride

7.11.13 04:58


Dienstag, 05.11.2013 – Das kalte Kotzen

Jetzt bin ich so weit, dass ich sage: Leck mich, Mexiko, mir reicht es, und zwar gewaltig. Als ich gestern so früh meinen Blogeintrag gepostet habe, hatte ich schon das böse Gefühl, dass da noch was passiert, da das immer der Fall ist, wenn ich früh blogge.


Nun gut, bevor ich mich auf den Weg nach Tulum machen wollte, gingen Tino, Pierre, Roberto, ich und Ina (aus Flensburg) nochmal essen, weil zumindest mir und Tino eine lange Reise bevorstand. Tino fuhr mit dem Bus acht Stunden nach Merida, ich zumindest geplant 10 Stunden nach Tulum. Ich bestellte wieder Molletes mit Champignons, die echt lecker waren, und dann wurde ich auch schon nervös. Roberto begleitete mich zum Busbahnhof von Palenque, wir kamen dort an, kein Bus da. Ich fragte dann den Herrn am Schalter, was hier los sei, und er nur so: „Ja, der Bus kommt mit dreistündiger Verspätung erst an.“ Ich glaubte zuerst, mich verhört zu haben, aber nö, drei Stunden, ich habe richtig verstanden. Ich wollte natürlich den Grund wissen, und er antwortete mir, dass das aufgrund den Straßenblockaden der protestierenden Lehrer gegen die Bildungsreform sei, der Bus komme aus San Cristobal nicht durch, und der fährt dann weiter nach Tulum. Augenblicklich war ich so angepisst auf dieses Land, ich hätte am liebsten laut geschrien, aber das hilft einem in dieser Situation ja auch nicht weiter. Gut, wir gingen zurück ins Hostel, ich brauchte ein Bier, und zumindest hatte Tino das Glück, dass sein Bus zur richtigen Zeit fährt. Nachdem ich einen kleinen Nervenzusammenbruch hatte, latschten wir wieder zum Busbahnhof, der Bus war um 1 Uhr morgens nach dreistündiger Verspätung natürlich nicht da. Um halb 2 konnte ich endlich in den Bus einsteigen, dann saß wer auf meinem Platz und ich musste noch rum diskutieren, bis ich mich endlich hinsetzen konnte. Am liebsten hätte ich irgendetwas eingetreten, so stinksauer war ich. Trotz Schlaftabletten konnte ich nicht schlafen. Mexikaner haben die Angewohnheit, dass sie immer ihre beschissene Klimaanlage anschalten müssen, weil es hier als Luxus gilt, wenn alles runtergekühlt ist. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, ich zog mir fünf T-Shirts an, meinen dünnen Pulli und meine Sweatshirtjacke, außerdem meine Jogginghose über die Jeans und zwei paar Socken, dann konnte ich es zumindest von der Temperatur her aushalten. Wäre es nicht so unbequem gewesen. Ich schaffte es, von sieben Uhr morgens bis acht Uhr eine Stunde zu schlafen, das hat gereicht, jetzt ein steifes Genick zu haben. Mir ist es selten so beschissen gegangen wie jetzt gerade. Das körperliche kann ich ausblenden, ich bin psychisch nur kurz vorm totalen Zusammenbruch, ich mag nicht mehr, ich habe die Schnauze voll. Auf jeden Fall machten wir um halb 11 eine Pause in der Nähe von Bacalar, dort wurde uns gesagt, dass wir die Straße bis nach Tulum nicht benutzen können, weil dort die Lehrer auch gegen die Bildungsreform protestieren. Vollidioten. Nun sieht es so aus, als würden wir dreihundert Kilometer Umweg über Valladolid fahren, und ich bin so stinksauer auf alles und jeden. Ich weiß nicht, wann ich in Tulum ankommen werde, es dauert noch mindestens sechs Stunden (Jetzt ist es kurz vor halb 12 Mittag, um acht Uhr morgens hätte ich ankommen sollen).


Ok. Es dauerte keine sechs Stunden mehr, sondern ich war um drei dann im Hostel. Bin auch nicht mehr alleine unterwegs, ich werde begleitet von Jolaine, einer Französin. Es war auf alle Fälle noch schrecklich. Bewaffnete Menschen standen auf der Straße und zielten auf unseren Bus, ich sah erschossene Viecher neben der Straße liegen, Katzen, Hunde... Ich weiß nicht, ob das diese Vollidioten waren. Hoffentlich schmoren sie lange im Fegefeuer. Mich machte das alles so fertig, dass ich zum Hyperventilieren anfing und ich musste mit letzter Kraft meine Kreislauftropfen aus dem Kulturbeutel holen. Ich bin immer noch am Ende, wenn ich ehrlich bin. Den Rest der Zeit übersetzte ich meinen Praktikumsbericht (fertig!), oder ich heulte vor mich hin. Ich bin mal wieder am Überlegen, ob ich nicht früher heimfliege. Ich habe wirklich keine Lust mehr. Das Hostel ist ein bisschen komisch, so eine Hütte mit Strohdach. Dusche eiskalt. Zum Strand bin ich noch gar nicht gekommen. Ein kleiner Lichtblick: WiFi funktioniert. Und: Ich habe Semmeln gekauft! Im Chedraui-Supermarkt! Ich war für kurze Zeit auf Wolke 7. Außerdem habe ich mir einen Sixpack Weizen gegönnt. Wenigstens kann ich die nächsten drei Tage, die ich in Tulum sein werde, bisschen Geld sparen und nicht ständig zum Einkaufen müssen. Morgen werde ich mir den Strand anschauen, der ja fantastisch sein soll. Es ist erst halb sieben, aber ich will schlafen, und zwar bald. Ich werde mich gleich hinlegen, die letzte Nacht war nicht so toll. Eigentlich wollte ich mich betrinken, aber jetzt will ich nur noch schlafen. Meine Kreditkarte funktioniert übrigens wieder.


Song of the Day: Shocking Blue – Venus

6.11.13 01:43


Montag, 04.11.2013 – Dschungel, Pyramiden, Internetprobleme

Hallo meine Lieben,

ich befinde mich gerade in Palenque, und es ist erst 17 Uhr, aber sobald das Internet wieder funktioniert, werde ich schon bloggen, da heute nichts mehr Großartiges passieren wird. Ich befinde mich noch immer im Yaxkin Hostel, das ich nach wie vor richtig grottig finde, die Leute sind komisch und das Internet funktioniert nicht, und in der Nacht war mir die Regenwald-Geräuschkulisse einfach zu derbe. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein Fan von Natur, aber das war definitiv zu viel davon. Man hörte Affen, irgendwelche Hunde, Papageien, und sonstiges, was ich nicht genau an den Lauten ausmachen konnte. Ich stand um halb acht Uhr auf, und ich musste duschen. Ich empfand die Dusche als Zumutung, und ich fühlte mich danach dreckiger als davor. Dann packte ich auch schon wieder meinen Koffer und checkte aus, denn bis 12 Uhr muss das Zimmer geräumt sein, und wir wollten gemeinsam zu den Pyramiden. Die anderen hatten vor mit dem Fahrrad zu fahren, da sie aber alle verpennt haben, mussten sie mich Gott sei Dank mit dem Taxi begleiten. Erst gingen wir frühstücken, und dann suchten wir uns ein Taxi, das uns bis zum Haupteingang der Pyramiden fuhr. Ich fand es richtig lästig, dass uns kleine Kinder belagerten, die uns eine Führung andrehen wollten. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und fuhr sie sehr unfreundlich an, dass sie endlich still sein sollen, denn wir werden keine Führung nehmen. Der Eintritt kostete 60 Pesos, und in diesem Gelände wollten uns dann andere kleine Kinder irgendwas verkaufen, es ging mir echt auf die Nerven. Ich will nicht kaltherzig sein, aber wenn ich nein sage, heißt das auch nein, aber das wollen sie nicht verstehen. Gut, die Pyramidenanlage war atemberaubend, und auf die „Piramide de la Cruz“ (Kreuzpyramide) konnte man sogar raufklettern, was ich mir selbst bei 30 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit nicht nehmen ließ. Die Pyramiden sind über 1000 Jahre alt, und die Spanier glaubten nach ihrer Entdeckung, die versunkene Stadt Atlantis gefunden zu haben. Sie liegen mitten im Dschungel, und bei dem Rundgang kamen wir sogar an einem richtig krassen Wasserfall vorbei, wie ich noch nie einen in meinem Leben gesehen habe. Außerdem sah ich Lianen, es tröpfelte ständig von den Bäumen und man konnte Affen schreien hören. Roberto wollte danach noch eine Hippie-Community besuchen, die anderen zwei gingen mit. Ich hatte dann keinen Bock mehr auf Gesellschaft, weswegen ich alleine mit dem Shuttle zurück nach Palenque-City fuhr. Palenque ist übrigens ein langweiliges Kaff, es gibt hier nichts besonderes, mit Ausnahme der Pyramiden eben. Ich hatte die Gelegenheit, mit Thomas und danach mit Mama und Papa zu skypen, bevor das Internet total abstürzte. Das ist jetzt zwei Stunden her, und bis jetzt haben sie das Problem nicht behoben. Scheißlangsames und ignorantes Völkchen hier. Um 21:15 Uhr begleitet mich Roberto mit zum Busbahnhof, ich habe Angst davor, alleine im Dunkeln zu gehen, auch wenn es nicht weit ist. Mir graut es vor meiner Fahrt nach Tulum, 10 Stunden Bus, und ich hoffe wirklich sehr, dass ich zwei Sitzplätze für mich alleine habe, um schlafen zu können. Ich bezweifle zwar, dass das der Fall sein wird, aber immerhin kann ich mich zur Embryonalstellung zusammenklappen und ein bisschen entspannen. Schließlich werde ich auch nicht viel am Computer arbeiten können, wenn alle anderen schlafen. Bis dahin vertreibe ich mir meine Zeit mit dem Übersetzen meines Praktikumsberichts ins Spanische. Sowas sinnloses. Aber ich bin immerhin schon auf Seite 11, und ich muss nur noch fünf deutsche Seiten übersetzen. Irgendwie bin ich schon ein bisschen stolz auf mich, dass ich das alles so auf die Reihe kriege. Dann kann ich die Zeit daheim mehr genießen.



Song of the Day: The Who – My Generation

5.11.13 01:17


Sonntag, 03.11.2013 – Von San Cristobal nach Palenque

Ich stand um acht Uhr morgens nach einer langen, kalten Nacht auf, in der ich nur wenig Schlaf fand. Ich frühstückte dann mit Tino, Hendrik und Danit und packte gleich meinen Koffer. Danit machte mir den Vorschlag, mit ihr auf den Markt zu gehen, der mich ein bisschen an den Tianguis in Guadalajara erinnerte, allerdings dass hier nur Indigenas ihre selbstgemachten Dinge verkauften. Es fiel mir schwer, nichts zu kaufen. Diese Sachen gibt es sonst nirgends auf der Welt. Besonders interessant empfand ich es, dass ich zum ersten Mal Menschen in einer indigenen Sprache habe reden hören, mit Spanisch kam ich auf dem Markt nicht weit, sondern nur mit Handzeichen. Bald musste ich zum Hostel zurück und ich verabschiedete mich von Danit, aber wahrscheinlich ist der Abschied nicht für immer, sie ist eine Weltenbummlerin und kommt sicher auch mal nach Deutschland. Nach dem Auschecken aus dem Hostel fuhr ich mit Roberto (Mexikaner aus Queretaro), Miguel (Spanien) und Eleonora vom Gardasee zum Busbahnhof, dort wartete schon Tino auf uns. Mir gefiel es gar nicht, dass ich dort wie am Flughafen einchecken musste und mein Gepäck abgeben musste. Ich vertraue den Mexikanern bei solch wichtigen Sachen einfach nicht. Vorm Einsteigen in den Bus vergewisserte ich mich aber, dass mein Koffer auch wirklich im richtigen Bus gelandet ist. Dann ging die fünfstündige Fahrt nach Palenque los. Busfahren war wie immer sehr langweilig, jeder um mich rum hat geschlafen, nur ich konnte wieder nicht. In Ocosingo, mitten in der Pampa, legten wir einen kurzen Halt ein. Da mir so schlecht war, konnte ich auch nicht wirklich an meinem Praktikumsbericht weiter übersetzen oder lesen. Ständig Serpentinen, teilweise keine befestigten Straßen, überall diese kleinen Hügelchen (die heißen hier „Topes“, ich weiß den deutschen Begriff gar nicht) in der Straße zur Geschwindigkeitsbegrenzung. So sah ich viel Urwald, indigene Menschen, viel Armut, Dreck und Wellblechhütten. Langsam werde ich zum Egalmenschen, ich habe mich daran schon viel zu sehr gewöhnt. Auch an die Straßenhunde. Erst in der Dunkelheit erreichten wir endlich Palenque, kauften gleich unser Ticket für den nächsten Tag, und marschierten zum Yaxkin Hostel. Es gefällt mir überhaupt nicht. Die Leute scheiße unfreundlich, auch vom Restaurant, dann ist zwar der Eingangsbereich schön, aber bis zum Zimmer muss ich durch ein Stück Regenwald laufen, was ich vor allem in der Dunkelheit überhaupt nicht geil finde. Gott sei Dank bleibe ich nur für eine Nacht. Ich muss mich noch erkundigen, wie ich morgen zu den Ruinen hier komme, da die anderen bei (laut Wettervorhersage) 33° C und 100% Luftfeuchtigkeit mit dem Fahrrad dahin fahren wollen, aber nicht mit mir. Das WiFi auf meinem Handy funktioniert übrigens nicht, ihr müsst euch bis Tulum gedulden, wo ich übermorgen in der Früh ankommen werde. Ich habe allerdings noch ein bisschen Zeit zum Probieren, denn es ist erst kurz vor neun, obwohl ich mich fühle, als wäre es zwei Uhr morgens. Ich hoffe, euch geht’s allen gut. Langsam finde ich, dass es an der Zeit ist, heimzukommen. Übrigens, es gibt neue Fotos auf meiner Facebook-Seite!


Song of the Day: The Troggs – Wild Thing

4.11.13 03:57


Samstag, 02.11.2013 – Dia de los muertos

Heute ist der Totentag! Und ich bin schon sehr nervös, denn bald fahren wir gemeinsam auf den Friedhof von San Cristobal de las Casas. „Wir“ sind Tino, ich, Pierre, Hendrik und Danit. Danit ist eine Israeli, ich teile mir diese Nacht das Zimmer mit ihr, und sie ist richtig cool drauf. Sie ist momentan hier auf Arbeitssuche, weiß nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, lebt in den Tag hinein und genießt es einfach, hier zu sein. Saustark. Ach ja, ich muss Zimmer tauschen, was ich bisschen nervig finde, weil da eine Fünfer-Gruppe unser Zimmer gebucht hat. Jetzt ziehen wir um. Aber Danit ist eh cool. Sie hat mir übrigens verraten, dass mein Name hebräisch ist, was ich schon wusste, dass man ihn Shoshanna ausspricht, was ich auch schon wusste, und das er „Rose“ bedeutet, was ich nicht wusste. Und ich war eigentlich mein ganzes Leben bis jetzt davon überzeugt, dass mein Name „Lilie“ bedeutet. Nun gut. Sie weiß es ja wohl besser.

Ich bin nach wie vor auf der Suche nach meiner Mütze, habe die Nummer vom Taxiunternehmen rausbekommen, und jetzt nerve ich die alle paar Minuten, ob die meine Mütze schon haben. Ich will die wieder haben. Notfalls muss ich meinen schottischen Freunden ein paar Kröten überweisen, dass sie mir eine neue schicken.

Ich machte mich auf in die Stadt, weil ich mein Handy neu aufladen musste, um die Uschi vom Taxiunternehmen zu nerven. Dabei kaufte ich noch ein bisschen ein, zum Beispiel Socken, die gehen mir nämlich bald aus, und Poster für unsere Wohnung, Sticker, Armbänder. Nicht viel, jedenfalls für nicht viel Geld. Ich habe mich auch drei handgeknüpfte Gürtel von den indigenen Mädchen gekauft, von denen mich dann eine Horde umgab und dass ich mehr kaufen soll. Ging mir schon auf den Senkel, und ich war dann wirklich grob unfreundlich, um mich loszureißen. Danach machte ich das Zentrum unsicher, machte ein paar schöne Fotos, und genoss es einfach, hier zu sein. Dabei sah ich auch verschiedene Altäre mit der Flor de los muertos, der Totenblume. Diese heißt hier Cempasuchil (sprich: Sempa-sutschiel) und der deutsche Name lautet Studentenblume.


Sooo, ich komme gerade vom Friedhof. Und ich bin irgendwie so verwirrt von all dem, was ich dort gesehen habe, unglaublich. Irgendwie empfand ich die Vorgänge dort als Blasphemie, und ich kam mir schon schlecht vor, als ich eine geraucht habe. Andererseits bin ich so derartig von dieser Mentalität begeistert und neidisch auf diese Tradition. Also, ich fuhr dann doch nur mit Pierre hin, und wir aßen vorm Friedhof noch was, denn da gab es einen riesengroßen Markt, mit dem leckersten Zeug überhaupt. Dann betraten wir den Friedhof. Der sah ganz anders aus, total bunt, kleine Häuschen, und über und über mit Blumen geschmückt. Viele Leute haben Campingstühle oder so Bänke mitgenommen, saßen an den Gräbern und haben gegessen und getrunken. Außerdem waren überall Musiker unterwegs, entweder Mariachi oder ein Streichquartett, sogar Leute mit Marimbaphon! Total verrückt. Davon wollten wir Fotos machen, die uns natürlich gleich einlud, mit Bier und allem, ich verzichtete aber, da mir das dann doch zu sehr gegen den Strich ging. Bier auf einem Friedhof? Dort lernten wir Javier kennen, der uns viel über diesen Brauch erzählt hat. Dann fing es wieder zu regnen an, und es wurde richtig kalt. Ich friere mir wirklich den Arsch ab, aber irgendwie mag ich das auch, ich habe schon lange nicht mehr gefroren. Meine Schottenmütze habe ich nicht wieder. Die kann ich wohl vergessen.


Eigentlich hatten Danit und ich vor, mit einer anderen Hostelbewohnerin aus Finnland noch ein bisschen um die Häuser zu ziehen, aber Danit bekam Migräne und ist für die nächsten paar Stunden nach einer meiner Sumatriptan-Tabletten ausgeschaltet. Ich saß den ganzen Abend in unserem Aufenthaltsraum und habe meinen Praktikumsbericht übersetzt, und habe jetzt etwa siebeneinhalb deutsche Seiten von insgesamt 18 übersetzt. Gerade verreckt das Internet, ich hoffe, ich kann diesen Eintrag noch online stellen. Es ist zwar erst 22 Uhr, aber ich bin bratfertig, und deshalb werde ich mich jetzt auch schlafen legen. Morgen um 12:15 Uhr geht es weiter nach Palenque, wir reisen zu sechst. Macht euch also keine Sorgen. Momentan weiß ich noch keinen, der bis mir bis nach Tulum fährt, aber ich finde schon jemanden.


Fotos gibt es wahrscheinlich erst morgen oder übermorgen wieder auf meiner Facebookseite, denn irgendwie ist mein Laptop schon recht langsam, der Stecker hübsch kaputt und ich muss Akku und Nerven sparen. Ich muss auch die Fotos erst mal formatieren, um sie online stellen zu können. Übrigens verbleiben mir nur noch 20 Tage hier in Mexiko (heute = Samstag).


Song of the Day: Simeon Soul Charger – Coffin Party

3.11.13 05:12


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