Juneau
Samstag, 09.11.2013 – Meine erste und letzte Yoga-Stunde

Ich kann es nicht fassen, heute morgen habe ich mich in einem Moment der geistigen Verwirrung zur (kostenlosen) Yoga-Stunde am Strand angemeldet. Also mit einer wahnsinnigen Kulisse, weißem Strand, Palmen, türkisfarbenem Wasser … Erst war ich voller Zuversicht. Greg, unser Lehrer, ist Brite, und hatte schon so eine richtige Yoga-Entspann-Stimme. Nun gut, nach ein paar Übungen dachte ich mir dann, wird das auch mal besser? Ende vom Lied: Ich hielt 45 Minuten aus, dann hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Ich bin mir sicher, dass Greg ein guter Lehrer ist, aber das ist einfach nichts für mich. Yoga ist mit Abstand das dümmste und bescheuertste auf diesem Planeten und jetzt darf ich sogar sagen, dass das Bullshit ist, weil ich es selbst ausprobiert habe. Vielleicht bin ich auch zu beweglich dafür. Kann auch sein. Ich konnte jede Übung ohne Probleme machen, während die neben mir dann wieder eingeknickt sind. Ich verpisste mich dann einfach. So ein Scheiß. Nach dem Yoga chillte ich mich ein bisschen an den Strand und machte Fotos von der Insel, lief rum, kaufte für Thomas und mich eine Haifischzähnchen-Kette, und dann ging ich durch die Straßen der Isla Mujeres, die ganz typisch wie überall in Mexiko aus lauter Blöcken besteht. Egal in welche Richtung du dich drehst, du siehst immer das Meer. Die Luft hat eine fantastische Qualität. Durch die Straßen bummelnd, riefen mir die Verkäufer von überall nach, aber ich konnte nichts kaufen, ich musste ja erst zur Bank. Dort stellte ich fest, meine Kreditkarte ist nicht mehr da. Mir rutschte sofort das Herz in die Hose, und ich lief wie von der Tarantel gestochen zurück ins Hostel. Dort fand ich sie unter meinem Bett. Wieder einmal Glück gehabt. Dann spazierte ich zurück, stand am Automaten, und es ging mal wieder nicht... Ich bin wieder so angepisst. Da willst du das Paradies genießen, kannst dir aber nix mehr zum Essen leisten. Bis morgen Abend muss ich haushalten. Ich habe nur noch einen Schoko-Muffin. Wenigstens habe ich die Tickets und alles schon, ich muss hier also nicht bleiben. Dann saß ich also im Hostel rum und habe Postkarten geschrieben. Noch geduscht, ein bisschen gepackt.


Ein paar Wörtchen zur Isla: Sie ist acht Kilometer lang, und 300 bis 800 Meter breit. Hier gibt es eine Schildkrötenfarm, gigantische Korallenriffe, einen Leuchtturm und Maya-Ruinen an, wo hier Ixchel, die Maya-Göttin für den Mond und die Fruchtbarkeit, angebetet wurde. Ich kann mir das alles leider nicht anschauen, denn das kostet alles etwas... Fortbewegung findet statt zu Fuß, oder mit Rollern oder Golfplatz-Gefährten. Die einzigen Autos sind Taxis oder von den Bullen.


Irgendwie fühle ich mich ein bisschen ausgelaugt. Heute ist es drückend schwül, und überall an meinem Körper ist Sand, das fühlt sich richtig scheiße an. Meine Beine sind mittlerweile zu einem einzigen, großen Mosquito-Stich verschmolzen, es juckt abartigst und ich kann mir nicht mal mehr so ein Gel leisten, dass das zum Jucken aufhört. Ich bin aufgekratzt, ich sehe aus wie ein Vollidiot, und ich kann mich nicht still halten, weil das so pervers ist. Übrigens finde ich es beschissen, alleine zu reisen. Ich bin nicht nur alleine, sondern auch einsam. Alle meinten, dass ich es lieben werde. Nein, ich hasse es. Natürlich lerne ich hier jeden Tag neue Leute kennen, aber die ersetzen halt nicht deine Freunde. Ich habe Hunger wie blöd. Abgesehen davon, geht mir das „Aus dem Koffer leben“ schon gewaltigst auf den Sack. Alles einpacken, Taxi nehmen zum Busbahnhof, auf den Bus warten, dann drei Stunden oder mehr Busfahren, wo es so ekelhaft kalt ist, dann nimmst du dir wieder ein Taxi, fährst zum Hostel, dann packst du wieder alles aus, findest nichts mehr, du musst dich ans neue Bett gewöhnen. Irgendwann musst du alles wieder in deinen Koffer reinkriegen, und er wird von Ort zu Ort kleiner... Ich habe nicht mal Zeit, sauber auszuschlafen. Morgen muss ich um spätestens 11 Uhr eine Fähre ans Festland erwischen. Die Zeit, um Mexiko den Rücken zuzudrehen, ist gekommen...


Weil ich mich zu Tode langweile, habe ich mal mein Sternzeichen im Maya-Kalender gesucht. Ich bin Sternzeichen „Straße“! Die hatten wahrscheinlich auch einen Sprung in der Schüssel. Das Sternzeichen heißt hier übrigens Nahual, und kann so als „Tagesstimmung“ übersetzt werden. In der Maya-Straße heißt Straße „EE“. Ich will euch von dem ewig langen Text verschonen, aber es ist ein führendes Zeichen, ich bin tief besorgt über die Gesellschaft und zukünftigen Generationen. Ich bin hingebungsvoll, hart arbeitend, liebenswürdig, und gern auf Reisen. (Momentan nicht mehr.) Außerdem habe ich die Neigung, negative Emotionen zu verstecken und Ärger zu verdrängen (stimmt irgendwie). Zusätzlich gibt es dann noch einen Geburtston, er heißt UAC, trägt die Nummer 6 und steht für Fluss, Bewegung und Fortschritt. Außerdem: „Uac ist beherrscht von Mictlantecuhtli, dem Gott des Todes.“ Sebastian ist Affe, Thomas Eule. Ich konnte es nur von den beiden berechnen, weil ich weiß, zu welcher Uhrzeit sie geboren wurden. Genug Hokuspokus jetzt.


Neue Fotos online, übrigens! Zu finden auf meiner Facebook-Seite, Album „Mi gran viaje a Mexico querido y lindo“.


Song of the Day: The Strokes – You only live once


10.11.13 04:58
 


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